The Silence of a Movement

The Silence of a Movement. An exhibition and catalogue conceived and realized by Nadine Blasche, Maria Heise, Birte Hensel, Alexandra Holowicki, Klara Hülskamp, Nele Kaczmarek, Cornelia Kolmer, Laura Laby, Lauren-Michelle Leyhe, Araceli Mangione, Sandra Melchien, Helene Osbahr, Sophie Ribbe, Melanie Rosal, Jasmin Rychlik, Nicolai Sakowski, Marike Schmidt, Robin Smans, Wiebke Tjarks, Ningning Zhao and Susanne Neubauer, with works and objects from Paul Darius, James Edmonds, Richard Buckminster Fuller, Manuel Haible, Swantje Hielscher, Daniel Kupferberg, Marta Leite, Liliane Lijn, David Medalla, Adam Nankervis, Harald Szeemann and Robert Wilson.
Another vacant space, Berlin
27.6.-20.7.2014
Zur Einführung von „The Silence of a Movement“ – Theorie, Praxis und die kollaborativ kuratierte Gruppenausstellung als Essay
Die Ausstellung „The Silence of a Movement: A Group Show“ rezipiert zentrale Aspekte der Idee des „Gesamtkunstwerks“ und schließt diese mit Fragen zur kollaborativen Autorschaft explizit kuratorischer Arbeit kurz. Ausgangspunkt bilden die Werke einer jüngeren Künstlergeneration—Swantje Hielscher, Marte Leite, Paul Darius, James Edmonds und Daniel Kupferberg, die den Entwicklungsprozess der Ausstellung eng begleitet und mit geformt hat—sowie die künstlerisch-kuratorischen Konzepte Harald Szeemanns, Robert Wilsons, des philippinisch-internationalen Künstlers David Medalla sowie des australischen Künstlers Adam Nankervis. Letztere verfügen beide über umfangreiche Sammlungen, die eng mit ihren jeweiligen künstlerischen Praxen verbunden sind und als Künstlermuseen Momente einer ganz eigenen „Gesamtkunstwerk“-Situation bilden. „The Silence of a Movement: A Group Show“ ist der Versuch einer Fassung des für die Zeit der 1960er Jahre sehr prägenden Phänomens der Hinterfragung von Autorschaft im Vergleich zum „Hang“ (Szeemann, 1983) nach synästhetischer kollaborativer Erfahrung und Intermedialität bei sog. „Gesamtkunstwerken“. Diese hat sich Ende der 1990er Jahre u. a. unter dem Schlagwort der „Relational Aesthetics“ in heutige die Grenzen diffundierende Tätigkeitsbereiche sozialer Interaktion aufgelöst. Im vorliegenden Projekt steht aber weniger die eigentliche Umwertung des Kunstwerkbegriffs in Kommunikation und DIY-Aktivitäten beteiligter Akteure im Fokus, d. h. das künstlerische Kollektiv, als die explizit kuratorische Tätigkeit. Indem die Ausstellung Objekte, Werke, Dokumente und neue Textproduktionen in einen Spannungsraum überführt und exponiert, stellt sie die vom temporär agierenden, demokratisch organisierten Kuratorenkollektiv für relevant befundenen inhaltlichen Aspekte zur Diskussion und sollte – so die zu untersuchende Fragestellung – zu einer Stärkung der kollektiven Aussage führen. Der Leitgedanke der „stillen Bewegung“ reflektiert über die mögliche Verneinung von individualistisch geprägter Aktion als kritische Instanz im Hinblick auf die Betonung von Sprachlosigkeit, dem Wunsch nach Fokussierung der Wahrnehmung und der Reduktion von Komplexität innerhalb unserer Umwelt. Robert Wilsons ihre Kinder in Zeitlupe tötende Mutter in „Deafman Glance“ und weitere Figuren seiner Oper sind nur ein Beispiel dafür, wie eine solche Verdichtung durch Reduktion realisiert werden kann.